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7. Wissenschaftliche Tagung 2011
"Musiktherapie für Menschen mit geistiger Behinderung im Spannungsfeld zwischen Psychotherapie, Förderung und Betreuung"

Mein Tagungs-Tagebuch

Freitag, 20. Mai

Gute acht Stunden Autobahn - erstaunlich leer am Freitag - dank „Navi-ator“ habe ich schnell und stressfrei das Quartier gefunden - weit abseits und mitten in traumhafter Wiesenlandschaft - Heimatgefühle werden wach. Verblichene LPG-Reiterhof-Romantik erwartet mich- nicht mehr und nicht weniger. Der Anschluss wurde wohl hier vor Jahren verpasst! Schade! In geübter Gelassenheit schaue ich darüber hinweg und traue meinen Augen nicht: Ein Fuchs quert gemütlich den Platz, schaut mich an und ist in keinster Weise erstaunt (im Gegensatz zu mir). Erster Schreck - dann langsames entspannen!
Dank des schon erwähnten „Navis“ habe ich kein Problem den weiter entfernten Tagungsort zu orten und auch zu finden. Es gibt ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten und ein gespanntes hineintauchen in eine fremde und doch so vertraute Gemeinschaft.
Im Laufe des ersten Vortages wird mir schnell klar: Ich bin angekommen! Ich fühle mich wohl und irgendwie daheim. Darüber hinaus lausche ich einem sehr berührenden Bericht von Herrn Dr. Trogisch über den „Katharinenhof“ , seine schwere Pionierarbeit unter dem Druck einer mir wohl bekannten Diktatur! Obwohl mir bald klar gemacht wird, dass es völlig egal ist ob Diktatur oder Demokratie: „Fortschritt entsteht immer in der Illegalität!“ – ein bemerkeswerter Satz.
Freitag abend: Ausstellungseröffnung mit Bildern von Künstlern aus Lobetal; erwartungsvolle Augen, stolze Gesten, bunte Farben, erstaunliche Kompositionen, einzigartige Persönlichkeiten. Ich sehe später, dass die Bilder von Günther Krug aus weiter Entfernung erst ihre ganze Wirkung erzielen, wogegen man bei Detlef von Dossows Werken ganz genau hinschauen muß und auf diese Weise immer wieder etwas Neues entdecken kann- faszinierend.
Der erste Abend klingt aus bei geselligem Beisammensein und dem knüpfen erster zaghafter Kontakte unter den Tagungsgästen.

Samstag, 21. Mai

Ein straffes Tagesprogramm erwartet mich. Ich bin neugierig und gespannt und hoffe, dass ich alles aufmerksam verfolgen werde; dass ich nichts verpasse, dass meine Gedanken keine Flügel bekommen und nicht abschweifen hinaus zu den blühenden Bäumen vor den Fenstern (was ich zweifellos an solch einem langem Sitzungs-Tag von mir erwarte). Aber ich bin überrascht, wie wach und munter mich die verschiedensten Vorträge halten! Ich höre- stimme zu- bin verwundert- erkenne vieles wieder und lehne mich teilweise entspannt zurück. Hier ein paar Details:

 

Inwieweit dieses in die Praxis umsetzbar oder schon umgesetzt ist, wurde in der Podiumsdiskussion am Nachmittag lebhaft diskutiert. Der Kostenträger will Resultate! Zielorientierung – ein Reizwort! Es geht immer mehr um gut abrechenbare, vorzeigbare und klar definierte Therapie-Erfolge. Wie aber kann man zu Beginn einer Therapie sagen, was am Ende steht, wenn es überhaupt ein „Ende“ gibt?

 

Sonntag, 22. Mai

 

Abschied - die Hoffnung, auf ein baldiges Wiedersehen - Umarmungen - oder zumindest ein fernes Anlächeln als kleines Zeichen der minimalistischen Verbundenheit - entstanden aus diesen vergangenen gemeinsam verbrachten Stunden und dem wohltuenden Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Abfahrt - im Kofferraum Kiloweise Beelitzer Spargel - der soll der Beste sein! - erstanden vor einer ehemaligen Russenkaserne, die in mir immer noch Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorruft- trotz ihrer verwahrlosten Verlassenheit! Zum Abschied springt mir noch ein Hase vor das Auto. Ich verabschiede mich von dem Ort, wo sich offenbar auch „Fuchs und Hase“ Gute Nacht sagen.
Ich bin erfüllt und glücklich, dabei gewesen zu sein. Voller Eindrücke trete ich die Heimreise an!
Allerdings: Einen „Maulwurf“ habe ich nicht gesehen!…

 

Sabine Beese, Musiktherapeutin ÖBM, Musikerin, Pädagogin,
Angestellt am Ambulatorium der Lebenshilfe Salzburg für Menschen mit geistiger Behinderung, am Kardinal Schwarzenberg´schen Krankenhaus Schwarzach/Pongau auf der Akut-Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Lehrbeauftragte am Mozarteum Salzburg,
geboren in Halle an der Saale, lebt seit 20 Jahren in Österreich